Bericht Projekttreffen in Kreisau
6. Dezember - 10. Dezember 2004

 

 

 


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Schülerseite


   

6. Dezember 2004
Anreisetag

Gegen 6.30 Uhr verließen wir Jever, um über Hannover, Dresden und Görlitz nach Kreisau in Polen zu reisen. Um 17.00 Uhr erreichten wir dann das "Gut Kreisau" und wurden von den schon anwesenden Schülern aus Wroclaw und Trutnov herzlich empfangen.

Rechts: Gut Kreisau, ca.40 km von Breslau entfernt gelegen.

Nach dem Einchecken ging es zum gemeinsamen Abendessen in die Mensa. Zwölf Schüler aus Wroclaw, neun Schüler aus Trutnov und sieben Schüler aus Jever, teilweise kannten sie sich schon von Austauschwochen in Jever oder Polen, saßen noch nach Nationen getrennt und ließen sich das polnische Gericht (Nudeln mit Sauerkraut und Pilzen) schmecken.
Am Abend besuchte uns der Nikolaus mit einem Engel und einem Teufel, ein traditioneller Weihnachtsbrauch aus Tschechien, hier gespielt durch die tschechischen Schüler. Jeder hatte ein Gedicht aufzusagen, ein Lied zu singen, oder eine andere Aufgabe zu absolvieren. Selbst die Lehrer gaben ihr Bestes. Jeder erhielt ein kleines Nikolausgeschenk, es gab polnischen Weihnachtskuchen, es wurden polnische, deutsche und andere internationale Weihnachtslieder gesungen.
In der gutseigenen kleinen Turnhalle wurde dann bis spät in die Nacht Volleyball gespielt.

7. Dezember 2004
1. Arbeitstag

 

 

Dieser Tag begann mit einer kurzen Führung durch des Gut Kreisau mit einer ausführlichen Erläuterung der Geschichte dieses Hauses .

   

Dann begann die Arbeit! Unter der Leitung von Frau Schneider sind alle Schüler.
E rst einmal in einer "warming up"-Phase auf die Theaterarbeit vorbereitet worden. "Gehen wie im Theater" hieß die erste Übung, gefolgt von gruppendynamischen Bewegungsexperimenten, immer mit wechselnden Partnern und immer mit durchmischten Nationen. Vor der Mittagspause sind schon erste schauspielerische Übungen mit anschließender Präsentation absolviert worden.
Die Aufgabe lautete hier "Darstellen von Situationen ohne Sprache". Sechs Gruppen haben hier schon erste Ergebnisse geliefert.

 

Dem Mittagsessen (Sauerkrautsuppe,Nudeln mit Hackfleischsauce und grüner Salat) folgte eine kleine Pause bis 14.30 Uhr.

   

Laute Stimmen hallten durch das Schloß der von Moltkes:

"We go hunting", "we are not afraid", "we have got a knife": lautes Sprechen, deutliche Gesten sind das A und O des Theaterspielens. Weiter ging es mit selbst ausgedachten Szenen, "Regisseure" planten kleine Szenen, die der Gruppe vorgestellt und einstudiert wurden. Das erste freie Spielen vor Publikum war für viele neu! Die Stücke kamen gut und es wurde viel gelacht.
Höhepunkt des Nachmittags waren Sprachübungen, Situationskomik in vier Sprachen, wobei wir uns auch in tschechischer und polnischer Sprache übten. Abends fanden sich alle Teilnehmer zu einem gemütlichen Beisammensein ein.

Fortsetzung folgt.

8. Dezember 2004

2. Arbeitstag

Gleich nach dem Frühstück, das einige verschlafen hatten, ging es schnell an die Arbeit, die heute im Schloss stattfand. Ein Kunstlehrer aus Trutnov verteilte nach einem kurzen Vortrag "Vorurteile über Zusammenarbeit" Aufgaben, die daraus bestand sich und sein Innerstes in einer lebensgroßen Silhouette darzustellen. Im Detail sah es so aus, dass die Schüler die zuvor in Gruppen aufgeteilt wurden, sich in ihrer charakteristischen Position auf ein Blatt Papier gelegt haben und jemand den Umriss auf das Papier übertragen hat. Die fertige Skizzen sollten so ausgemalt werden, dass sie den Seelenzustand widerspiegeln.

 
Zusammen wurden alle Silhouetten auf eine Wand aus Pappe geklebt. Die Figuren wurden mit den jeweiligen Nationalfarben gekennzeichnet, was für den Sinn der Aufgabe wichtig war. Dieser Bestand darin zu zeigen, dass viele Vorurteile nicht stimmen und das man die Menschen nicht nach ihrem äußeren Erscheinungsbild einer Nation zuordnen kann.
 
 

Nach dem Mittagessen ging es für die deutsche Gruppe sofort nach Wroclaw (Breslau). Nach einer einstündigen Fahrt (10 Leute in einem Kleinbus) erreichten wir das Zentrum. DIe Schüler bewunderten die wunderschöne Altstadt, oder gingen zu McDonalds (Ein Menu kostet hier nur umgerechnet 2,50 Euro :) ) Nach einer dreistündigen Freizeit in der typisch deutsch aussehenden Stadt traf man sich am Pranger vor dem berühmten Rathaus. Herr Meyer-Veit war so frei und verlegte das Parkticket, doch nach langer Verhandlung und ein wenig Kleingeld war es uns möglich die Heimreise anzutreten.

Abends folgten die üblichen Integrationsabende, die bis morgens in der Frühe....

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9. Dezember 2004

3. Arbeitstag

Heute begann der Tag für einige erst um 9.30 Uhr aus den vorgenannten Gründen. Wie schon sooft begann die immer fröhliche Frau Schneider ihr Programm mit einem "Warming Up", das aus verschiedenen Bewegungsübungen bestand.

Danach ging es, wie auch schon am Vortag , ins Schloss, um das Projekt "Völkerverständigung" fortzusetzen. Schon am Dienstag hatten die Schüler einen Dialog auf verschiedenen Sprachen einstudiert, doch heute ging es darum diesen in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Viele kleine, jedoch sehr amüsante Theaterstücke nahmen die nächste Stunde in Anspruch.

Danach wurde das Projekt "Theater" fortgeführt, und man wendete sich dem Thema Vorurteile auf andere Weise zu. Zuerst arbeitete man in gemischten Gruppen an einem Standbild mit dem Thema "Russische Nation", indem die verschiedenen Ansichten der Schüler dargestellt werden sollten.

Zum Abschluss des Projekts wurden die Schüler noch einmal in Gruppen aufgeteilt, diesmal nach Nationen geordnet. Es wurde ein Standbild erstellt über die Vorurteile, die man vor dem Treffen von den jeweils anderen Nationen hatte, und inwiefern sie sich bestätigt, bzw. nicht bestätigt haben. Viele Komplimente wurden ausgetauscht, jedoch wurde auch harte Kritik geübt, so wurde den deutschen Schülern vorgeworfen sie würden nicht besonders gut Volleyball spielen und wiederum wurde den Tschechen gesagt sie wären schüchtern. Beim Abschlussgespräch hatte jeder nochmal die Möglichkeit seinen eigenen Kommentar zu dem Treffen abzugeben, "Wir hätten ruhig 3 Wochen länger bleiben können", sagt eine Schülerin, womit die Meinung aller Schüler wohl weitgehend vertreten ist.

Nach dem anschließendem Abendessen waren die Schüler bereit für den letzten Abend, der gesittet und ordentlich zugehen soll, wo doch eine tschechische Schülerin ihren 18. Geburtstag feiert. Berichte folgen ;) !

Henning

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Fazit der Kursleiterin

Eine Woche Theaterprojekt in Kreisau mit knapp 30 Jugendlichen im Alter von 16 - 18 aus drei Nationen. Die Polen sprachen englisch aber kein deutsch, die Tschechen deutsch aber kein englisch, die Deutschen weder polnisch noch tschechisch und hatten außerhalb Deutschlands mit ihrem Schulenglisch noch nicht sehr viel Erfahrungen machen können. Ein fertiges Theaterstück (in einer Sprache? in drei Sprachen?) war unter diesen Voraussetzungen am Ende der Woche nicht vorstellbar.

Und dennoch fanden die Schülerinnen und Schüler über Mittel des Szenischen Spiels zusammen. Ohne Worte ging es zunächst einmal darum, Bewegungen und Laute zu beobachten und gezielt einzusetzen. Da die Jugendlichen immer wieder in neuen gemischt nationalen Gruppen zusammenarbeiteten, galt es auch sich immer wieder von Neuem mit den jeweiligen Partnern auseinander zu setzen und auf sie einzugehen.

Sie haben sich in diesen Tagen (gegenseitig) näher kennen gelernt und nach kurzer Zeit keine Scheu mehr voreinander zu spielen und sich darzustellen.

Dabei stellte sich heraus, dass der Alltag gar nicht so unterschiedlich war. Konflikte mit den Eltern, Kontaktaufnahme im Kino oder in der Disko, Vorstellungen über die Zukunft in einem gemeinsamen Europa oder im Weltraum konnten für alle drei Nationen verständlich szenisch vorgetragen werden.

Für kurze Einakter hatten sich die Projektteilnehmer sogar entschlossen ihre Rollen in der Sprache eines anderen Landes auswendig zu lernen und somit gezeigt wie wichtig es ihnen war, den anderen Jugendlichen ihre Kooperationsbereitschaft zu zeigen. Für mich war es eine ganz außergewöhnliche Erfahrung des Fremdsprachenunterrichts, beim dem die Schülerinnen und Schüler gleichzeitig Lerner und Lehrende waren.

Betont wurden in diesen Tagen die Gemeinsamkeiten der Jugendlichen unterschiedlicher Kulturen. Diskriminierende Vermutungen über Autos klauende Polen wurden nach Anfangsbemerkungen nicht mehr angesprochen. Es wurde auch schnell klar, dass diese Urteile auf der Erfahrungswelt der deutschen Schülerinnen und Schüler nicht beruhen und wenn überhaupt eher aus der Generation der Eltern und Lehrer oder der Großeltern stammen. Lässige Polen, kritische Tschechen oder überkorrekte Deutsche ließen sich in diesen Tagen nicht finden. Tatsächlich reagierten die Tschechen gelassen und heiter über (gelegentlich) verspätete Deutsche und den Polen war der Ablauf des Projektes alles andere als gleichgültig. Für die 16 –18 jährigen in Kreisau waren gängige Vorurteile kein Thema. Und es ist zumindest ihren Eltern und Erziehern hoch anzurechnen, dass sie ihre vorgefassten Meinungen nicht auf die Jugendlichen übertragen haben.

Im Gegenteil, es war den deutschen Schülerinnen und Schülern ausgesprochen unangenehm, dass sie feststellen mussten über die Geschichte und Alltagspolitik der Partnerländer gar nichts oder nur sehr wenig zu wissen. Sie werden jetzt genügend motiviert sein, sich nach ihrer Rückkehr intensiver mit Fragen der Nachbarländer auseinander zu setzen.

Natürlich waren alle Teilnehmer in diesen Tagen körperlich und geistig gefordert und stellenweise sehr müde. Nicht zuletzt zollten auch die abendlichen Aktivitäten ihren Tribut.

Die Begegnungen werden hoffentlich lange in Erinnerung bleiben.

Ich möchte mich auf diesem Weg bei allen Projektteilnehmern für die kreative und lustbetonte Mitarbeit bedanken.

Susanne Schneider

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Ein gemeinsames Projekt der Gymnasien aus Jever, Trutnov und Wroclaw mit Förderung durch die EU