Austausch in Breslau Juni 06    
  Sonntag bis Dienstag       Mittwoch bis Sonntag    
 
Von Linda Thomßen (Text) und Christin Jaesch (Fotos)
 
     
 
 
    Foto:NWZ  
  Von Sonntag, den 4.09. bis Sonntag, den 11.09. 2005 waren vierzehn Austauschschüler aus Wroclaw/ Breslau
zu Gast in Jever. Sie wohnten für die Zeit bei uns Schülern der 11. Klassen.

Wir haben mit ihnen eine schöne, erlebnisreiche Woche verbracht.
 
 

Sonntag

   
  Um 9 Uhr morgens fuhren meine Mutter und ich zum verabredeten Ankunftsort der polnischen Gruppe nach Wilhelmshaven. Ich hatte ein Kribbeln im Bauch, obwohl ich schon beim Frankreich- und Tschechienaustausch mitgemacht hatte und den Ablauf eines Austausches eigentlich kenne.
Aber wer mich wohl diesmal erwarten würde?
Vorher hatte ich per E-Mail und Post mit meiner Austauschschülerin Kontakt aufgenommen. Ich wusste schon, dass sie sehr gut Deutsch spricht, weil ihre Mutter in Deutschland geboren wurde. In der Schule hat sie aber keinen Deutsch-Unterricht. Das ist aber von Schüler zu Schüler unterschiedlich. Meine Freundin konnte mit ihrer Partnerin nur Englisch sprechen, was aber ja auch nicht schlecht ist.
Wir hatten damit gerechnet, dass die Gruppe mit Verspätung eintrifft und uns schon innerlich auf eine lange Wartezeit eingestellt, aber als wir in Wilhelmshaven ankamen, standen schon alle mit ihren Koffern startbereit.
Von den deutschen Lehrerinnen Frau Smidt und Frau Hildebrandt war noch keine in Sicht und von meinen Mitschülern kamen gerade erst ein paar an.
Etwas verunsichert fragte ich ein polnisches Grüppchen nach Ala, meiner Austauschschülerin. Sie kam mir dann auch gleich mit Küsschen und Umarmen entgegen und machte wirklich einen netten Eindruck. Ohne viel Federlesen packten wir ihren Koffer ins Auto und fuhren als erste Richtung Jever nach Hause.
Wir unterhielten uns auf der Fahrt und ich merkte, dass sie sich richtig auf diese Woche freute. Sie machte sich nur ein bisschen
Sorgen um ihre Freundin, die nur Englisch sprechen kann und ich versprach ihr, dass wir uns heute noch mit ihr treffen könnten.
Zu Hause angekommen zeigte ich ihr unser Haus und stellte sie meiner Schwester und meinem Vater vor.

Da sie trotz zwölf Stunden Busfahrt und nur vier Sunden Schlaf nicht müde war, gingen wir gleich mit Julia und Ewelina, ihrer Partnerin, die auch gleichzeitig Alas Freundin war, in die Innenstadt von Jever. Wir zeigten ihnen ein bisschen das Mariengymnasium, Schloss usw. Das Wetter war seit langem nicht mehr so schön gewesen und so beschlossen wir eine Fahrradtour zur Wasserskianlage in Hooksiel zu machen. Ala erzählte mir, dass sie schon lange nicht mehr Fahrrad
gefahren sei. Wroclaw ist eine Großstadt mit vielen Kneipen, Geschäften und Diskotheken und sie sind es normalerweise nicht so gewohnt, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen, geschweige denn eine Fahrradtour zu machen. Das merkte man auch, aber sie haben es gut durchgehalten.
Wir holten noch eine Freundin in Sillenstede ab und obwohl Ala die andere Polin nicht kannte, hatten sie sich viel zu erzählen. Für einen einzigen deutschen Satz braucht man angeblich mehrere polnische.
Auf der Fahrt an Bauernhäusern entlang, lernten sie auch noch gleich die für sie komisch wirkende friesische Sportart Boßeln kennen.
Bei der Wasserskianlage kamen nach einiger Suche auch noch Julia, ihre und Christins Austauschpartnerinnen dazu. Dabei fiel mir auf, dass Polinnen top gestylt sind.
Wir guckten uns noch ein bisschen das Meer an und noch, weil die Polinnen nach Geschäften gefragt haben, ein paar Souvenirshops und fuhren dann nach Hause.
Nach einer kleinen Fahrradpanne kamen wir glücklich und erschöpft an. Ala telefonierte mit ihren Eltern und berichtete stolz, dass sie noch nie so viel Fahrrad gefahren sei.
Abends trafen wir uns noch mit ein paar anderen in Jever zum Eis essen und auch ich fiel danach kaputt ins Bett.
Der Polenaustausch hatte begonnen
 
     
 

Montag

   
  Am Montag veranstalteten wir eine Schul- und Stadtführung.

Wir trafen uns zur normalen Schulzeit in der Pausenhalle, die zu dem Zeitpunkt sehr voll war, weil gleichzeitig die Tschechen in Jever waren.
Uns Deutschen wurde es freigestellt, ob wir noch eine Stunde in den Unterricht gehen wollten. Svenja, Julia, Anna und ich haben uns einstimmig dagegen entschieden.
Stattdessen haben wir uns die Begrüßung durch Frau Smidt und Frau Hildebrandt angehört, die durch Ala übersetzt wurde, weil sie so gut Deutsch kann. Danach führten Verena und Henning sie in der Schule herum. Sie zeigten den Polen alles von der Sporthalle bis zur Aula.
In der Aula fand dann gegen 9 Uhr die Begrüßung durch die Direktorin Frau Levin statt, die die Austauschgruppe gleich auf Polnisch begrüßte. Wieder musste Ala nach vorne und übersetzten. Frau Levin sagte ein paar Worte zur Schule und zur deutsch-polnischen Freundschaft.
Darauf ging es gleich mit unseren Terminen weiter: Pressetermin. Die Nordwestzeitung schoss ein Gruppenfoto auf dem Schulhof.
Die polnischen Lehrer interessierten sich noch für den Naturwissenschaftstrakt, deshalb wurde für die Polen eine Führung
gemacht. Währenddessen hatten wir noch ein bisschen Zeit unsere Stadtführung auszufeilen, die wir dann gleich darauf unternahmen.
Wir erzählten unseren Gästen etwas über das Glockenspiel, das Schloss, das Gericht usw. Nur leider war die Zeit sehr kurz und wir mussten etwas auf den Nachmittag verlegen.
Um elf Uhr begann nämlich die Besichtigung der Brauerei. Diejenigen, die den Tschechienaustausch schon mitgemacht hatten, kannten das meiste noch, aber es gab immer noch Jeveraner, die noch nie in der Brauerei waren.
Am Beeindruckendsten war die riesige Abfüllanlage.
Danach durften wir alle Bier trinken. Vorher gab es aber noch eine kleine Diskussion mit den polnischen Lehrern, weil man in Polen erst ab 18 Alkohol trinken darf. In diesem Fall haben wir uns aber nach dem deutschen Gesetz gerichtet. Ala meinte später zu mir, dass es das erste Mal wäre, dass sie mit ihren Lehrern zusammen Bier getrunken
habe.
Nach der Besichtigung hatten wir eine große Mittagspause. Wir sind nach Hause gegangen, haben etwas gegessen und geschlafen.
Nachmittags musste ich zum Voltigiertraining, aber für die anderen gab es noch eine Begrüßung, nämlich den Empfang im Rathaus durch den stellvertretenden Bürgermeister. Dort gab es Kekse und den typisch ostfriesischen Tee zu trinken. Das Programm war für diesen Tag beendet.

 
  Wir sind danach noch ins "Godewind" gegangen. Dort war fast die ganze Gruppe versammelt und hat den Biergarten besetzt.

Später wollten wir aber einen Ortswechsel und wanderten in den Schlosspark. Christin hat noch ein paar Decken geholt und wir haben uns noch bis ca. halb zehn unterhalten. Fünf Minuten später waren wir (mal wieder müde) zu Hause.
 
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Dienstag

   
  Für heute war das Projekt " Erkundung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer" geplant.
Das bedeutet, dass wir eine Kutterfahrt nach Spiekeroog unternahmen.
Für die Polen etwas neues, für uns etwas altes.
Wir hatten richtig Glück mit dem Wetter, es war der schönste Tag der Woche. Meine Mutter behauptete gegenüber Ala, dass wir immer so gutes Wetter hätten. Auf jeden Fall wurde es ein schöner Tag für alle.
Um neun teilten wir die Fahrgemeinschaften auf. Jeder bekam einen Platz, keiner musste also zu Hause bleiben. Anfangs hatten wir zwar kleine Startschwierigkeiten, haben den Kutter aber alle erreicht und sind die Sonne genießend rüber nach Spiekeroog gefahren.
Auf Spiekeroog angekommen, wanderten wir geführt von Herrn Menke ins Watt. Da es nur eine kleine Wattwanderung gewesen ist, durften wir barfuß laufen. Es war für viele interessant, was sich so alles unter dem Watt verbirgt. Besonders die Polen fanden das Watt "funny" und sprangen herum. Es war wirklich lustig.
Wir wanderten noch bis zum näher kommenden Wasser, nahmen ein kleines Fußbad und schlängelten uns zurück zum Land, wo Svenja und Julia auf unsere ganzen Sachen aufpassten. Nun hatten wir freie Zeit. Die meisten gingen direkt zum Strand, was
aber auch noch einen kleinen Fußmarsch bedeutete.
Der Strand war wunderbar. Wir aalten uns in der Sonne, ein paar schwammen und spielten Volleyball. Polen spielten gegen Deutsche, wobei die polnischen Gäste gewannen.
 
   
       
  Abschließend aßen wir noch das leckere Eis in der Zimtwaffel und fuhren mit dem Kutter wieder nach Neuharlingersiel.
Zwischendurch ist der Kutter noch ganz nah an die Seehundbänke gefahren, was viele Herzen entzückte. Es wurden auch noch in paar Seetiere gefangen.
Mit sonnenverbrannten Gesichtern trotz Sonnencreme erreichten wir um ca. halb sieben Jever.

Der Tag war aber noch lange nicht zu Ende. Es ging wieder zu unserem Treffpunkt: dem Schlosspark. Diesmal waren wir aber besser vorbereitet. Wir brachten Decken, Musik und ein Licht mit und es wurde ein ziemlich lustiger Abend.
 
     
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