Erneuerbare Energien
Energie ist kein cooles Thema, es ist ein heißes.
"Nur nicht anfassen" lautet daher die heimliche
Verabredung in Deutschland. Denn Energie bedeutet Risiko
und Konflikt. Explosionen in Kohlegruben, sinkende Öltanker,
Atomwaffen in der Hand von Diktatoren deuten auf den Ernst
des Sujets hin - ebenso ein bevorstehender Krieg, zu dessen
Gründen die Tatsache zählt, daß die irakischen
Ölquellen zugleich Machtquellen sind.
Deutschland importiert rund zwei Drittel seiner Primärenergieträger,
vor allem Erdöl und Erdgas. Und wo liegt der Löwenanteil
der weltweiten Öl- und Gasreserven? Rund um den Persischen
Golf und das Kaspische Meer. Ähnlich wie Deutschland
geht es Europa als Ganzem.
Energiepolitik ist Weltpolitik. In knapp
fünfzig Jahren dürfte die Weltbevölkerungszahl
ihr Maximum erreicht haben (bei acht, zehn oder zwölf
Milliarden), und das vermutlich in einer Welt, in der viele
Länder aufgrund hoher Wachstumsraten einen enormen
Energiehunger werden stillen müssen, vor allem den
Hunger nach Strom. Der Energieverbrauch wird sich wohl vervierfachen,
der Stromverbrauch noch schneller steigen. Später einmal
mag die Bevölkerungszahl wieder sinken, doch wer weiß,
wie viele Länder dann den Wachstumspfad eingeschlagen
haben werden?
Der weltweit wachsende Energiebedarf ist ein politisches
und ökologisches Problem, das die Sicherheit auch der
reichen Gesellschaften berührt, deren Bedarfskurve
nur flach ansteigt. Der wachsende globale Bedarf muß
so gedeckt werden, daß die Umwelt geschont wird -
und es nicht zu kriegserzeugenden Knappheiten oder Ungleichgewichten
kommt.
Der beste Freund der Brennstoffzelle wäre ein
Kernkraftwerk. Die Konzeptkunst der deutschen Energiepolitik
wäre in der Tat nicht zureichend beschrieben, wenn
der Ausstieg aus dieser abgasfreien und preiswerten Technik
unerwähnt bliebe.
Argumente, die in anderen Ländern wieder ausgiebig
diskutiert werden, kürzlich zum Beispiel im einflußreichen
amerikanischen Wissenschaftsorgan "Science". In
Gesprächen unter Deutschen hingegen rufen sie peinliche
Berührung hervor. Schließlich gehört der
Atomausstieg zum Rest des identitätsbildenden Inventars
einer politischen Generation.
Den Engländern, so hieß es einmal, gehört
die See, den Franzosen das Land - und den Deutschen gehören
die Wolken. In der Energiepolitik ist Deutschland zu dieser
Tradition zurückgekehrt.
Wir haben uns rund um das Thema Energiegewinnung
und Einsparung beschäftigt.
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