27.06.2012 | Shakespeare in der Halbwelt - MG-Musical wieder erfolgreich Autor: Holzapfel

Trifft Bewährtes auf einander, kann es eigentlich nur gut werden. In diesem Fall sind es Shakespeare und das Team der Musical-AG des Mariengymnasiums mit der aktuellen Inszenierung des Sommernachtstraums. Ungewohnt ist die Umgebung, in welcher das tragikomische Verwirrspiel um Liebe, Eifersucht, Macht und Zaubereien stattfindet. Vom antiken Athen nebst dortigem Stadtwald - Rückzugsort für Liebende und Aussteiger – entspinnt sich die Handlung in einer leicht abgewrackten Bar des zwielichtigen Rotlicht- und Ganoven-Milieus.

Dass der traditionsreiche Stoff auch in der Gegenwart problemlos funktioniert, ist der Erfahrung von Jens Marnowsky, Klaus Wagner und Gertraud Rothenberg geschuldet. Doch was wären Inszenierungskunst, Arrangements und Choreografie ohne Schauspieler und Musiker? Freunde der MG-Musical-Produktionen werden sicherlich den Werdegang diverser Akteure verfolgt haben, die an ihren Aufgaben gewachsen sind. So wurde Unterwelt-König Oberon trefflich besetzt mit der herrlich mondänen Sina Alsbach in Pelzmantel und Zigarre. Ebenfalls glänzend in einer Männerrolle fiel Friederike Rottmann als überzeugender Egeus, Angestellter der Geschäftsfrau Thessa, auf. Svitlana Peter, welche vergangenes Jahr in der Rolle als Amme an der Seite Julias zu sehen war und mit erfolgreich bestandenem Abitur das Ensemble verlassen wird, ist in der aktuellen Produktion als Kobold Puck zu sehen. Diese Rolle ist der Abiturientin wie auf den Leib geschneidert. Svitlana kann ihr tänzerisch-mimisches Talent voll ausleben und glänzt obendrein gesanglich auch bei schwierigen Arrangements. Als wahre Entdeckung, wenn auch unfreiwillig, entpuppt sich Soenke Schmidt als Zettel. Von Mitschülerinnen auf dem Weg nach Hause in die Proben shanghaied erweist er sich als absoluter Glückfall für das Ensemble. Wer hätte das gedacht! Timing, Tempo und Witz sind ab dem ersten Auftritt unverkennbar grandios. Schade, dass Soenke ebenfalls das Abitur bestanden hat. Wir hätten ihn liebend gerne in weiteren Inszenierungen erlebt.

Treuen Musical-Besuchern wird diesmal sicherlich aufgefallen sein, dass es weniger Choreographien als gewohnt gab. Dies mag daran liegen, dass Tanz-Expertin Gertraud Rothenberg sich eigentlich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden wollte, sich dann aber dem Zauber der MG-Musical-Truppe doch nicht entziehen konnte und mochte. Aus einem "nur mal reinschauen" wurde letztendlich eine weitere, gute Zusammenarbeit mit dem Ensemble und Jek Marwa. Letzteres und bewährtes Team hat die Musik komponiert und arrangiert. Dabei wurde sogar eine für Schulbands doch eher exotische Harfe, wunderbar gespielt von Flora von der Erve, integriert. Was vielen Zuschauern teilweise immer noch nicht geläufig ist, ist die Tatsache, dass bis auf sehr wenige Ausnahmen alles Eigenkompositionen sind. Ein Umstand, der die Produktionen des Mariengymnasiums von zahlreichen anderen Schulmusicals deutlich im positiven Sinne unterscheidet.

Dass die Musical-Gemeinschaft zusammenschweißt, zeigt die Gegenwart ehemaliger Band- und Ensemblemitglieder im Publikum sowie Daniel Moebes am Mischpult. Die Sucht an den Produktionen teilzuhaben scheint auch innerhalb ganzer Familien weitergegeben zu werden, denn mit Thalke Iggena (Petra Squenz), Sebstian Prehn (Lysander), Jan Birkheuer (Demetrius), Diana Jazik (Hermia) sowie den Schwestern Talitha und Athalia Weber in der Bläser-Abteilung der Band sind Geschwister von MG-Schülerinnen und Schülern vergangener Produktionen dabei.

Letzte Chance dieses gelungene Stück zu sehen ist am heutigen Mittwoch, 19:30 Uhr im Theater am Dannhalm.