11.03.2013 | Der »beste Arzt der Welt« schaut beim MG vorbei Autor: Wolfgang A.Niemann

In der Reihe »Ehemalige persönlich«, die der »Verein der Ehemaligen des Mariengymnasiums« durchführt, stand am 1. März auch der berühmte Sportarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt für einen Vortrag vor Schülern in der Aula zur Verfügung.


Bereits am Donnerstag war der auch mit 70 Jahren noch vielbeschäftigte Mediziner in seine alte Heimat gekommen und hatte sich zunächst als »stolzer Ostfriese« in das Goldene Buch der Stadt Wittmund eintragen dürfen und in die legendären »Hands of Fame« eingereiht, bevor er abends vor über 350 Zuhörern in der Sporthalle des MG aus seiner Vita erzählte.


In der überfüllten Aula erklärte nun am Freitag zunächst sein Klassenkamerad Walter Schelling (Oldenburg) den Schülern die merklich anderen Verhältnisse zu ihrer Gymnasialzeit, die vor genau 50 Jahren mit dem Abitur abschloss. Damals schafften nur neun von 50 Schülern direkt das Abitur und bei den Noten gab es nur selten eine Eins. Dafür in seiner Klasse 136 Klassenbucheinträge bei nur zwölf Schülern und gerade »Mull« sei so manches Mal aus der Klassen geflogen.


Besonders spannend fanden die Schüler dann, wie Müller-Wohlfahrt den Werdegang zum Mannschaftsarzt beim FC Bayern München und später als »Doc« der Nationamannschaft schilderte. Nicht einmal zwei Jahre war er Teamarzt beim Bundesligisten Hertha BSC, als die Bayern ihn riefen: »Ich hätte nie auch nur im Traum daran gedacht!« Zu der Zeit spielten noch Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Uli Hoeness und der FC hatte dreimal in Folge den Europapokal geholt ‒ und er, Müller-Wohlfahrt, war noch so jung. Da gab es massive Anfeindungen der einheimischen Orthopäden, doch der mächtige Präsident Neudecker befand: »…und wenn wir einen Arzt aus China holen ‒ Hauptsache, er kann was.«


Und das stellte der stets hochkonzentrierte Sportmediziner so erfolgreich unter Beweis, dass immer mehr Fußballspieler, aber auch andere Spitzensportler zu dem Arzt kamen, »der mit den Händen sieht«. Seine Spezialität sind die Muskelverletzungen und da schilderte er unter anderem den Fall Arjen Robben, der sich bei der WM 2010 durch Fehldiagnosen ein regelrechtes Loch in der Oberschenkelmuskulatur eingefangen hatte. Beim FCB weiß man solche präzisen Diagnosen und seine schnellen Entscheidungen auf dem Platz zu schätzen, wobei es keinen Vertrag mit Müller-Wohlfahrt gibt, der nicht einmal Vereinsmitglied ist ‒ das wahre die nötige Unabhängigkeit.


Dabei gab es durchaus brenzlige Situationen vor allem mit eigenbrötlerischen Trainern, doch die Vereinsführung stellte klar: »Bei uns ist entscheidend, was der Arzt sagt.« Nur einmal habe er, Müller Wohlfahrt, den Spaß am Job verloren ‒ als Jürgen Klinsmann als Trainer den FCB quasi neu erfinden wollte. Doch Uli Hoeness als alter Fuchs habe ihn im Hintergrund gehalten und es dauerte ja auch nur ein paar Monate, bis der Anruf kam, der Trainer werde entlassen.


Zu den liebsten jüngeren Erinnerungen zählen für Müller-Wohlfahrt die an den jamaikanischen Sprinterstar Usain Bolt. Der nannte ihn nach seinen Olympia-Siegen in London im letzten Sommer öffentlich »den besten Arzt der Welt«. Usain sei, so berichtet der Sportmediziner, ein sympathisches Phänomen, er könne nämlich 14 Stunden am Tag schlafen und sei so lauffaul, dass er stets Aufzüge benutze ‒ um dann in Training und Rennen regelrecht zu explodieren. Von Bolt, mit dem er bereits seit acht Jahren befreundet ist, hat Müller-Wohlfahrt auch das schönste Souvenir, die goldenen Weltrekordspikes von der Weltmeisterschaft in Berlin.


Unter Riesenbeifall betonte der Orthopäde und Sportmediziner abschließend, er sei ein Beispiel dafür, dass auch mittelmäßige Schüler ihren Weg machen können ‒ mit Willen, Fleiß und Durchhaltevermögen. Wer aber seinen Beruf ergreifen wolle, der benötige außerdem hohe Konzentrations- und Durchsetzungsfähigkeit, Nervenstärke und ein möglichst gutes Tastgefühl.


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