21.10.2013 | Bericht von der Deutschen Schülerakademie - Grovesmühlen Autor: Michelle Kemper

8.00 Uhr, während die Morgenluft noch angenehm kühl ist, verlasse ich den Bahnhof Jever auf Gleisen. Mein Ziel? Das Internat Grovesmühle. Wo das ist? Keine Ahnung; und vielleicht werde ich es auch nie wirklich erfahren. Denn ich steige nur in eine große Blechkiste und komme hoffentlich pünktlich am Stapelburger Bahnhof an, wo ich laut Fahrkarte aussteigen soll. Dennoch muss ich diese Fahrt ins Ungewisse nicht alleine antreten. Bereits im zweiten Zug treffe ich andere, die auch unterwegs sind - unterwegs zur Schülerakademie. Auf dem Internatsgelände angekommen, bekommen wir erst einmal unsere Zimmer zugeteilt und ein Namensschild. Dieses werden wir in den nächsten zweieinhalb Wochen maximal zum Duschen ausziehen und sie sind auch wirklich praktisch. Denn bei den über 100 Teilnehmern, Kursleitern und der Akademieleitung kann man sich kaum alle Namen merken und so geht der Blick im laufe eines Gespräches zwangsläufig auf das kleine Kärtchen. Diese haben zudem den Vorteil, dass sie für jeden der sechs Kurse eine eigene Farbe haben.

Schnell kommt man ins Gespräch, schließlich haben hier alle viel gemeinsam. Besonders die Bildungspolitik der verschiedenen Bundesländer sorgt immer wieder für hitzigen Gesprächsstoff. Nach Kaffee und Kuchen findet dann das erste Plenum statt, bei dem sich alle Teilnehmer treffen und die Kursleiter vorstellen. Danach geht es in die Kurse. Im meinem Fall: „Abstraktion in der Mathematik – Einführung in die Gruppentheorie und verwandte Ideen aus der Mathematik“. Schon vor der Akademie haben wir einen Reader erhalten, der fünfzig Seiten umfasst. Wie ich in den ersten Gesprächen mit bekommen habe, hatte ich damit noch Glück. Andere sollten zur Vorbereitung über hundert Seiten wissenschaftlichen Text lesen. Alles hatte ich von dem Text nicht verstanden und einige Rechnungen konnte ich noch nicht nachvollziehen. Aber das war wie ich erleichtert feststellte kein Problem, denn wir gingen alle Themen noch einmal durch und jede Frage wurde beantwortet. In Gruppenarbeiten und Projekten vertieften wir dann das Gelernte. Das hat total viel Spaß gemacht, weil jeder bereit war etwas zu lernen, sich einzubringen und den anderen zu helfen. Gleichzeitig war die Stimmung viel angenehmer als in der Schule. Bei Abendessen trifft man dann die restlichen Teilnehmer und kommt wieder ins Gespräch, was sich auch in nächster Zeit nicht ändern wird. Selbst wenn man um zwei Uhr Nachts gerade auf dem Weg ins Bett ist, kann es sein, dass man jemanden trifft und sich noch eine weitere Stunde festquatscht. Die bunte Auswahl an Kursen machten die Gespräche interessant. Da gab es die Physiker, Juristen, den Geschichts- und die Kabarettkurs. Insbesondere der Letzte brachte uns zum Lachen, wenn sie ihre Ergebnisse präsentierten.

Schon nach kurzer Zeit haben sich alle an den Akademiealltag gewöhnt. Ein typischer Tag beginnt mit dem Frühstück um 7 Uhr. Um halb 9 Uhr treffen sich dann alle zu Plenum, wo der Tagesablauf, und die KüAs (Kursübergreifenden Aktivitäten) besprochen und wichtige Ansagen gemacht werden. Von dort geht es in die Kurse wo fleißig gearbeitet wird bis zur Kaffeepause. Die aufgrund des bereits angesprochenen recht aktiven Nachtlebens auch dringend nötig ist. Bevor es zum Mittagessen geht, wird im Kurs rege weiter gearbeitet. Anschließend gibt es Freizeit oder besser gesagt die erste KüA-Schiene. Die KüAs funktionierten folgender maßen: Jeder Teilnehmer oder Kursleiter, der etwas kann, gerne macht oder lernen möchte, bietet eine KüA zu diesem Thema an, und hängt zu diesem Zweck einen Zettel an das schwarze Brett. Das ist ziemlich voll und wird gut genutzt. So entstehen beispielsweise Fußball-, Volleyball- und Ultimate Frisbee -KüAs, aber auch so ausgefallene wie Gesichtsmasken-, Ausdruckstanz-, Papierfliegerbasteln- und „Beethovens 5.Sinfonie vierhändig am Klavier spielen“ - KüAs. Ganz besonderer Beliebtheit erfreute sich der Chor, der von dem Kursübergreifenden Musikleiter Kai, der auch für Stimmbildung, Klavierunterricht, Band und Orchester zuständig war, geführt wurde. Am Chor lässt sich auch gut die vorherrschende Motivation und Fähigkeit, sich für Dinge zu begeistern, zeigen, denn über die Hälfte hat sich dazu entschieden jeden Tag zwei Stunden Freizeit für den Chor zu opfern. Auch wenn ich es nicht geplant hatte, hat mich die Arbeit von Kai so begeistert, dass ich beschlossen habe im Chor mitzuarbeiten und es hat sich wirklich gelohnt. Im Tagesablauf ging es dann um 16 Uhr weiter mit dem Kurs, in diesem lernt man nicht nur was über das Thema des Kurses, sondern auch wie man zum Beispiel richtig Referate hält, Kritik gibt und seine Ergebnisse in einer mehrseitigen wissenschaftlichen Dokumentation festhält. Um 18.45 geht es dann zu Abendessen. Weiter geht es mit einer abendlichen KüA-Schiene wobei „Philosophie“, „Improtheater“ und „Kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischem deutschen Sprechgesang“ sich großen Anklang fanden. Pünktlich um 23:45 gibt es für Interessierten „Musik zur Nacht“ mit bekannten Klassikern. Auch wenn es danach noch nicht ins Bett geht endet hiermit das offizielle Programm, wenn sich nicht noch einige Teilnehmer zu KüAs treffen. So tanzte ich manchmal bis weit nach Mitternacht mit einigen anderen und lernte dabei neue, interessante Figuren.

Es gäbe noch viel mehr zu berichten, doch wenig mit Worten zu beschrieben. Diese Akademie als Reihe von Ereignissen wiederzugeben, würde dem nicht gerecht werden. Denn die Akademie kam vielmehr einem Lebensgefühl als einem Ereignis gleich und so fiel der Abschied auch entsprechend schwer. Diese Tage in der Akademie waren etwas ganz besonderes und haben unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt und neue Freundschaften bis in andere Länder hinein geschlossen. Insgesamt war es eine gute Entscheidung nach Grovesmühlen zu fahren und eine Erfahrung, die ich nicht vermissen möchte.

Michelle Kemper