12.03.2014 | Professor Dr. Rolf Sternberg zu Gast am MG Autor: Lichte

Am heutigen Mittwoch, den 12. März war in der 3./4. Stunde Herr Professor Dr. Rolf Sternberg zu Gast am Mariengymnasium. Herr Professor Dr. Sternberg gehört zu den wichtigen Zeitzeugen, die von Hartmut Peters über "Juden in Jever" aufgefunden und 1984 eingeladen worden waren. Er durfte als Jugendlicher nicht das Mariengymnasium besuchen und wanderte in der Folge nach Südamerika aus. Der Professor für Geographie aus New York gehört zu den wesentlichen Experten für Wasserkraft in Südamerika der Nachkriegszeit und lehrt heute trotz seines Alters noch an zwei Tagen in der Woche an der Montclair State University im Nachbarstaat New Jersey.

Prof. Sternberg sprach über seine Geschichte zu Schülern der Geschichtskurse im Jahrgang 10.

"Ich befasse mich nicht mit der Vergangenheit - die Zukunft ist mir wichtig!" - Dies war die Antwort auf die Fragen nach seiner persönlichen Vergangenheit als Mensch jüdischer Abstammung in der Nazi-Zeit in Jever. Professor Dr. Rolf Sternberg, geboren in Jever 1926, mit seiner Familie emigriert nach Argentinien 1939, weitergezogen nach New York nach dem Weltkrieg, stellte sich am Mariengymnasium den Fragen von Schülern zweier Geschichtskurse im Jahrgang 10. Gingen die Fragen eher in Richtung der Vergangenheit, bemühte sich Prof. Sternberg um die Darstellung einiger zukunftsweisender Gesichtspunkte:


Die Globalisierung der Welt zwingt uns, in großen Zusammenhängen zu denken, nicht in kleinlichen nationalen Vorurteilen, die zu Zwist und Kriegen
führen.


Die Welt leidet unter einem Mangel an Bildung und einem Übermaß an Dummheit, was zu der Forderung an die Schüler führte, stets der bestmöglichen Bildung
und der Öffnung der Einstellung nachzustreben.


Deshalb auch eine logische Antwort auf die Frage, was denn seine Heimat sei: "Meine Heimat ist die Welt!" Zwar lebt er in New York und ist durch das
amerikanische Bildungssystem geprägt, aber wichtig ist eben weltweite Großherzigkeit - schließlich hängen alle Menschen von einander ab.


Eine Frage war auch: "Sind Sie gläubiger Jude?" Antwort: "Ich bin als Wissenschaftler Atheist. Die Wissenschaft zwingt mich, Fragen zu stellen,
die Religion lässt meist keine Fragen zu. Solange die Religionen keine Fragen zulassen, kann ich sie nicht akzeptieren."


Nach der Veranstaltung gab  Dr. Sternberg  Finn und Philip  ein ausführliches Video-Interview, in dem alle Fragen zur NS-Zeit beantwortet wurden. Die beiden Schüler des Geschichtskurses von Herrn Dr. Gärtner wollen die wertvollen Aufnahmen  der Schule  zur Verfügung stellte.


sternberg und schüler


Dialog mit der Jugend


sternberg und schulleitung


Backstage mit Herrn Dr. Lichte und Herrn Timmermann

Fotos: Hartmut Peters