06.10.2014 | Mariengymnasium beteiligt sich an 4. »Plattdüütsch Week« Autor: Chr.Wiegrebe

Mariengymnasium beteiligt sich an 4. „Plattdüütsch Week“
– Vortrag über „Einheit und Vielfalt des Plattdeutschen“ von Prof. Dr. Peters, Universität Oldenburg


Am 29.09.2014 fand in der Aula des MG im Rahmen der 4. »Plattdüütsch Week« des Landkreises Friesland der Vortrag »Einheit und Vielfalt des Plattdeutschen« des Oldenburger Niederdeutsch-Forschers Prof. Dr. Jörg Peters für die Schülerinnen und Schüler sowie für die breite Öffentlichkeit statt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer, unter ihnen auch die Plattdeutschbeauftragten des Landkreises Wolfgang Busch (Südkreis) und Georg Schwitters (Nordkreis), folgten den sprachwissenschaftlichen Ausführungen zur Entwicklung des Niederdeutschen als eigener Sprache und noch gespannter den praktischen Sprachbeispielen aus dem Plattdeutschen des hiesigen Sprachraums, die der Sprachwissenschaftler gegen Ende seines Vortrages vorstellte.


Zu Beginn legte Peters dar, dass das Niederdeutsche eine eigene Sprache darstelle, zumal es die zweite Lautverschiebung (auch westgermanische Lautverschiebung) im Gegensatz zum Hochdeutschen nicht mitgemacht habe. Das Plattdeutsche (Platt) sei sprachwissenschaftlich eine Unterform des Niederdeutschen. Folglich sei das Niederdeutsche als Sprache der Oberbegriff, der neben u.a. Vorformen des heutigen Englisch eben auch das Plattdeutsche mit seinen regional und lokal unterschiedlichen Ausprägungen (wiederum eher Dialekte) umfasse. Dies mache gerade die besondere Vielfalt aus. Allen niederdeutschen Sprachen und Dialekten ist Peters zufolge aber gemein, dass gerade nicht wie im Hochdeutschen von »Wasser«, sondern von »Water« und nicht von »Apfel«, sondern von »Appel« die Rede ist. Darin sei wiederum die Einheit zu erkennen. So erklärt sich auch der Vortragstitel.


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Insbesondere die zu hörenden Sprachbeispiele aus der Region Oldenburg und Ostfriesland, vor allem aus dem Landkreis Friesland und dem Jeverländischen Platt interessierten die Zuhörerinnen und Zuhörer sehr. Es wurden ausgewählte Tondokumente aus dem hiesigen Raum vorgespielt, welche Aussprachebeispiele unterschiedlicher Generationen wiedergaben. So wurde den Anwesenden auch eine Entwicklung bei der Aussprache deutlich zwischen einem 1895 geborenen Sprecher (ältere Aufnahmen) und einer 1945 gesprochenen Sprecherin (jüngere Aufnahmen), beide im selben Ort zu unterschiedlichen Zeiten mit gleichen Sätzen aufgenommen. Möglich sind diese interessanten Betrachtungen auch, weil der Oldenburger Lehrstuhl auf Aufnahmen des Tonarchivs des Instituts deutscher Sprache der Universität Mannheim zurückgreifen kann. Dort werden alle Sprachen und Dialekte des deutschen Sprachraums katalogisiert und festgehalten, basierend auf den Sprachforschungen Georg Wenkers aus dem 19. Jahrhundert, die bis heute immer weitergeführt werden. Das Tonarchiv verfügt somit über Aufnahmen aus rund 100 Jahren. Eindrucksvoll wurde deutlich: Sprache ist ein lebendiger Spiegel der Gesellschaft und verändert sich auch mit dieser.


Interessiert zeigte sich Peters an den plattdeutschen Tondokumenten rund um die Oswald-Andre-Veranstaltung, die im November am MG zu Ehren des auch Plattdeutsch-Schriftstellers stattfinden wird. Wi bedankt us van Harten för dissen fienen Vördrag und seggt: Tschüß un Moin!


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