24.11.2014 | Oswald Andrae Raum eingeweiht Autor: Admin

Am Sonntag den 23.11. um 16:00 wurde in einem Festakt der Oswald-Andrae-Raum in der Bibliothek offiziell eröffnet. Eine kleine Ausstellung mit den Büchern und Manuskripten des Autors war aufgebaut, ebenso war der durch ein Buch zur Legende gewordene »Braune Ranzen« als Leihgabe aus der Landesbibliothek Oldenburg ausgestellt.



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Im gut gefüllten Foyer der Bibliothek hielt Hans-Jürgen Klitsch einen Vortrag mit dem Titel »OSWALD ANDRAE - Autor, plattdeutscher Querdenker, Intellektueller aus Jever«. Der kurzweilige und informative Vortrag beleuchtete sowohl das Leben als auch das Werk des Autors. Dabei wurden einige ungewöhnliche Stationen seines Werdegangs deutlich.



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Die anwesende Witwe des Autors, Hannelore Andrae, las im Rahmen dieses Vortrags zwei unveröffentlichte Gedichte des Autors. Iko Andrae, der ältere Sohn, trug als musikalische Unterbrechung des Vortrags eine Reihe von Liedern des Autors vor.



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Oswald Andrae selbst wurde mit Gedichtlesungen und Auszügen aus Radiofeatures per Tonträger eingespielt. So ergab sich eine spannende, aber lockere Atmosphäre.



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Anschließend zerschnitt Witwe Andrae im Beisein des Schulleiters, des Bibliotheksteams und des Altbibliothekars Peters, dem das Namenskonzept zu verdanken ist, symbolisch ein Band, um den Oswald-Andrae-Raum zugänglich zu machen.



Ehrung-Schönbohm


Zum Abschluss dieses Sonntagnachmittags ehrte Herr Timmermann den in diesem Jahr aus dem Vorsitz des Fördervereins der Bibliothek des Mariengymnasiums geschiedenen Enno Schönbohm mit einem wertvollen Buch. Herr Schönbohm wurde an diesem Tage 80 Jahre alt.



Informationen zum Autor:


Der Jeveraner Autor Oswald Andrae wurde am 25.06.1926 geboren.
Er arbeitete als Autor plattdeutscher und hochdeutscher Texte. Dabei war er sehr vielseitig – er schrieb nicht nur Gedichte und Prosatexte, sondern auch Lieder, Features für das Radio, szenische Spiele für das Theater, Sachliteratur usw. Sein Verdienst ist es vor allem, die plattdeutsche Literatur weg von Heimattümelei auf ein neues, intellektuelles Niveau geführt zu haben.
1957 erschien sein erstes Buch »Die Sünn schient jeden Tag«. Schnell wurde er überregional bekannt, und seine Texte, auch die plattdeutschen, wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Er wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Klaus-Groth-Preis. Das Land Niedersachsen lud ihn 1989 für 12 Wochen in die Villa Massimo in Rom ein, in der schon Karl Schmidt-Rottluff, Heinrich Böll, Ernst Jünger, Ralf Hochhuth, oder Botho Strauss Stipendiaten gewesen waren.


Oswald Andrae war nicht allein ein feinsinniger Lyriker. Er war überdies ein politischer Autor, der nicht nur gegen den Strich dachte, sondern auch entsprechende Texte schrieb. 1973 machte sein Gedicht »De Fahn« deutschlandweit Furore, als es den sogenannten Jeverschen Fahnenstreit auslöste. Alle überregionalen Zeitungen berichteten damals, selbst der Deutschlandfunk kommentierte.


Sein bekanntester Text dürfte „Dat Leed van den Häftling Nr. 562“ sein, welches der Jeversche Antifaschist und Pazifist dem von den Nazis im KZ zu Tode geschundenen Friedensnobelpreisträger und unbeugsamen Demokraten Carl von Ossietzky widmete. Dieses Gedicht wurde in mehrere Sprachen übersetzt, vertont und von vielen renommierten Künstlern ins Programm genommen.


Oswald Andrae widmete sein Schaffen als Autor immer wieder den kleinen Leuten, so auch in »Laway«, einer Chronik des Deicharbeiteraufstands von 1765 an unserer Küste, welche nicht nur ein eindringliches Radiofeature war, sondern auch am Staatstheater Oldenburg als szenisches Spiel aufgeführt wurde.


Oswald Andrae starb am 19.02.1997 in Jever.