05.09.2011 | Von Pastafaris, ALKLi-Fälschern und chronischem Schlafmangel Autor: Hinrichs

Für die Hinfahrt hatte ich mich mit zwei Mädchen aus Oldenburg zusammengetan und diese am Oldenburger Bahnhof getroffen. Auf der Reise entwickelten wir gleich ein lebhaftes Gespräch, sodass die eigentliche Reise wie im Fluge verging. Als wir in Braunschweig ankamen, trafen wir auch gleich auf andere DSA-ler, gut zu erkennen an den überdimensionalen Koffern und den Musikinstrumenten, die viele bei sich trugen. Wie eine leichte elektrische Spannung war die allgemeine Aufregung und Erwartung zu spüren. In einem großen (und zugegebenermaßen etwas orientierungslosen) Trupp fanden wir schließlich auch den DSA-Koffer-Shuttleservice und wurden dankbar unsere Koffer los. Im CJD (Christophorus Jugenddorf), dem gastgebenden Internat, bekamen wir dann die Zimmerschlüssel und nach kurzem Auspacken und Sich-Sammeln ging es auf den Schulhof um alle erstmal kennen zu lernen.

Es folgten das erste Plenum, wo wir singend von unseren ALs (Akademieleitern) und den KLs (Kursleitern) begrüßt wurden und gleich danach die erste Kurseinheit. Ich hatte "Sprechende Tiere und wilde Kinder - ein Tier-Mensch-Vergleich" gewählt, wobei es um Anthropologie aus philosophischer und neurobiologischer Sicht ging. Das Akademieleben war zwar furchtbar anstrengend, aber bald war man es schon gar nicht mehr anders gewöhnt, das Um-2Uhr-Schlafen-Gehen-und-um-7-wieder-Aufstehen, den übermäßigen Kaffee- und Schokoladenkonsum, die ständig Beschäftigung und die hoch motivierten Menschen. Denn: Die Kurseinheiten füllten jeweils nur den halben Tag aus, der Rest war den so genannten KüAs, den kurs-übergreifenden Angeboten, gewidmet. Es gab Mafia, Origami, Fit 'n' Music (was höllisch anstregend war), Schach, eine Einführung in LaTeX, Türkisch-, Polnisch- und Bulgarischstunden, den AkademieChor, einen Mädchen-Kammerchor, Musik zur Nacht, die T-Shirt-KüA, die KüA "Grüßen" am Morgen im Speisesaal und im Plenum, diverse Back- bzw. Koch-KüAs, die von einem Teilnehmen, der auch gelernten Koch ist, gegeben wurden und uns zauberhafte Crème Brulée, Mousse au Chocolat und Crèpes bescherten, eine Herr-der-Ringe-KüA, eine Pastafarialismus-KüA (Pastafarialismus ist die Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters), nicht zu vergessen: die Nachtreffen-KüA und vieles, vieles mehr. Die KüAs wurden übrigens fast ausschließlich von Teilnehmern gegründet und geleitet.

Nach ungefähr einer Woche hatte man das Gefühl, alle schon seit Ewigkeiten zu kennen. Mein Steckenpferd wurde ein bisschen die T-Shirt-KüA, bei der wir über alle nur irgendwie erdenklichen Schwierigkeiten gestolpert sind und einmal bis 4 Uhr morgens im Flur am Laptop an unseren Entwürfen saßen, weil man uns um 2 aus der Bibliothek geworfen hatte. Daher waren wir im Endeffekt natürlich unglaublich glücklich und stolz, schließlich doch noch unsere T-Shirts in den Händen halten und austeilen zu können. Eine der ersten von der AL und den KLs organisierten Aktionen war der Casino-Abend, bei dem nicht etwa um Geld, sondern um ALKLis (gesprochen "Alkalis") gespielt wurde. Bingo, Roulette, Poker und Würfelspiele wurden angeboten, Tippgemeinschaften gegründet und an der (Saft-) Bar geplaudert. Die drei ersten Plätze wurde dann im nächsten Plenum von der AL mit Süßigkeiten belohnt. Der Abend hatte jedoch auch noch ein ganz anderes Nachspiel: Falsch"geld" wurde gefunden! Die Übeltäter wurden jedoch recht schnell gestellt und gaben im darauf folgenden Plenum ihre offizielle Entschuldigung (eine gnadenlose Guttenberg-Parodie) während der Akademie-Nachrichten ab und ihren Doktorti. äh, den dritten Preis zurück.

Eine zweite, wichtige Veranstaltung seitens der AL war die Studieninformationsveranstaltung, da alle ALs bzw. KLs sehr stark mit der Uni verknüpft sind und von daher wirklich gut über ein Studium und seine Tücken berichten und auf Schwierigkeiten vorbereiten können. Es gab wie üblich ein riesiges Angebot, aus dem man sich drei besonders interessante Sachen herauspicken durfte. Ich entschloss mich schließlich, mich über Psychologie, ein gap year und ein Studium in England zu informieren. Generell war die Akademie auch hinsichtlich der Studienwahl für mich sehr ergiebig. Ich war im Laufe der Akademie irgendwie in die Rolle der Grafik-Spezialistin gerutscht und so kam es, dass ich neben den T-Shirts genauso auch die Flyer für das Chor-Konzert in einer Nacht- und Nebelaktion entworfen habe, die wir dann am nächsten Tag (oder eigentlich am selben, nur halt am Nachmittag) lautstark singend in der Innenstadt von Braunschweig verteilt und uns dabei auch unter viel Gelächter durch ein Einkaufszentrum gesungen haben, von dem unser Chorleiter sagte, dass man dort gern mal herausgeworfen wird. Tatsächlich war die Kirche beim Konzert rammelvoll und unser Konzert ein voller Erfolg. Auch hatten die meisten ihr Akademie-T-Shirt an, was die geschlauchte T-Shirt-KüA natürlich besonders freute. Ich hatte mir zwar (wahrscheinlich aufgrund des Schlafmangels) eine fiese Halsentzündung und Erkältung eingefangen, aber mitgesungen habe ich natürlich trotzdem.

Ein weiteres Hochlicht ("Highlight" ;) - Akademie-Insider) waren die Exkursionen. Die Exkursion, die ich gewählt hatte, ging nach Goslar, eine unglaublich schöne und fast ein wenig kitschige Stadt. Das ausnahmsweise einmal gute Wetter trug das Seine dazu bei, diesen Tag noch perfekter zu machen. Außerdem gab es noch ein Volleyball-Turnier für das jeder Kurs parallel zur Team-Bildung eine Cheerleading-Kür einstudieren musste, wobei sich der Großteil auf schrecklich amüsante Weise zum Affen machte und im Anschluss daran eine Party.

Der einzige Wehrmutstropfen war wohl die Doku, die Dokumentation unserer Kursergebnisse, die uns jede Mange Zeit und Nerven gekostet hat, aber am Ende werden wir wohl froh sein, uns so detailliert erinnern zu können. Eine weitere interessante Sache an der DSA ist, dass jede Deutsche Schule im Ausland prinzipiell das Recht hat, einen Schüler zu einer DSA zu entsenden, sodass wir eine Bulgarin, einen Polen, einen Slowaken, eine Chinesin, einen Türken und einen Südafrikaner mit an Bord hatten und dazu noch ganz viele Deutsche mit den unterschiedlichsten fremdländischen Wurzeln. Vermutlich waren wir genauso international wie die multinationalen Akademien, die übrigens auch zur DSA gehören. Außerdem trafen die unterschiedlichsten deutschen Dialekte aufeinander, was teilweise wirklich witzig anzuhören war.

Am letzten Abend fand noch der bunte Abend statt, bei dem die unterschiedlichsten Darbietungen gezeigt wurden und auch wieder jeder Kurs sich etwas ausgedacht hatte. Am letzten Tag verabschiedeten wir uns von der AL mit einem Schokolade-Regen und die ALs und KLs sangen ein wunderbares Abschiedslied für uns. Anschließend saßen alle still und warteten auf mehr, bis unsere Akademieleiterin Barbara sagte: "Es ist wirklich vorbei." Das war für uns einfach nicht zu fassen. Dann, langsam, gingen wir doch nach draußen und das große Weinen begann. Lachend und weinend zugleich umarmte, drückte und verabschiedete ich mich von allen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die ich wohl bis aufs Letzte hätte auskosten wollen, verabschiedeten sich nach und nach alle in Richtung Bahnhof oder wurden mit dem Auto abgeholt. Auf der Zugreise machte sich dann schon diese große Leere breit, die unter DSA-lern als "Akademie-Loch" bekannt ist.

Obwohl ich einen 3-wöchigen Amerika-Austausch der DSA geopfert habe, gibt es wohl nichts in meinem Leben, das ich weniger bereut habe, als auf die DSA zu gehen. Die Atmosphäre aus Kreativität, Motivation und Gemeinschaft ist unvergleichlich und wunderbar und hat mich selbst auch unglaublich motiviert und bestärkt. Jedem, der sich jetzt dafür interessiert, kann ich nur wärmstens empfehlen, sich für die DSA zu bewerben (ihr könnt mich auch gerne ansprechen). Nun bleibt zwar das Akademieloch, aber immerhin die Chance, sich möglichst bald wieder zu sehen: Ich bin im Nachtreffen-Orga-Team. Außerdem haben ehemalige Akademie-Teilnehmer aus Sehnsucht schon den CdE, den Club der Ehemaligen der Deutschen Schüler-Akademien, gegründet, über den man mit allen Teilnehmern in Verbindung bleiben kann.

Luise Hinrichs (QP2)