01.10.2015 | Das Fritz-Levy-Kaleidoskop Autor: M.Baurmann

Fritz Levy (1901 – 1982) war der letzte Jude Jevers. Zu seinem Angedenken fand am 30.9. in der Aula eine Veranstaltung statt.


Traditionell heißt es bei solchen Gelegenheiten in der Nachbesprechung gerne, es sei eine gelungene Veranstaltung zu einem schwierigen Thema der Geschichte gewesen, womit jedem Veranstaltungsbesucher bescheinigt wird, dass er – bei ausreichend Beinfreiheit – ein wesentliches Stück zur deutschen Vergangenheitsbewältigung beigetragen hat.



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Iko Andrae und Eckhard Harjes

Es ist den Organisatoren des Fritz-Levy-Abends zu verdanken, dass deutlich zu Tage trat, dass ein ehrliches Gedenken an Fritz Levy keine bequeme Angelegenheit sein kann. Schon die Ankündigung schilderte Levy als ruhelosen Störenfried, der seinen Feinden furchtlos gegenüber trat, der aber auch seine Freunde erheblich irritieren konnte. Besonders die Lied- und Gedichtbeiträge von Iko Andrae und Eckhard Harjes, die zum Teil noch aus der Levy-Zeit stammten, machten deutlich, dass ein Zusammenleben mit dem von den Nazis Verfolgten, dem bis nach China Geflohenen, mit dem (vielleicht naiven) Rückkehrer und erneut Angefeindeten nicht einfach war.



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Hartmut Peters und Iko Andrae verfolgen die Einführung in die Veranstaltung durch Dr.Anja Belemann-Smit.

Hartmut Peters illustrierte in seinem Vortrag über das Leben von Levy, dass dieser sich in Jever bis zu seinem Tod 1982 einem massiven Antisemitismus gegenübersah. Es wurde aber auch klar, dass sich Levy schwer tat, unter den ihm Wohlgesonnenen eine Heimat zu finden.


Im Auditorium, die Aula war fast völlig gefüllt, gab es noch viele Zeitzeugen, die sich an Begegnungen mit Fritz Levy erinnern konnten. Diese meldeten sich im dritten Block der Veranstaltung zu Wort und bestätigten das schillernde und bisweilen verstörende Bild vom letzten Juden in Jever.